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Dr. Samuel Kobia, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Genf, CH
Grußwort, 2006
...Ein Glaubens-Buch, ein Seelsorge-Lehrbuch, ein Theologie-Handbuch anhand von weltweiten Lebensgeschichten eines Jahrhunderts, das ermutigt und zumutet – gerade auch als Ansporn und Anstoß für die ökumenische Bewegung ...
Grußwort: Christen haben eine Tag- und Nacht-Adresse
Wir Afrikaner sagen: „Onjacoya du grosz!“ übersetzt „Gott muss die Seele dazu geben!“
Das ist auch die Botschaft des Buches: „Warum gerade ich…? Leben lernen in Krisen!“
Überraschend deutlich schreiben Autobiographen aus aller Welt über ihre Erfahrungen mit Leiden und Glauben, ihre Krisen wie Krankheit, Behinderung, Verfolgung, Verlassenwerden, Trennung, Tod und sie sprechen dabei zugleich von ihren wunderbaren wie unverfügbaren Glaubenserfahrungen im Vertrauen auf Gott.
Die Autorin ERIKA SCHUCHARDT – langjähriges Mitglied in kirchlichen Gremien der Ev. Kirche in Deutschland und des Weltkirchenrates – erschließt aus über 2000 Lebensgeschichten eines Jahrhunderts den Lernweg der Krisenverarbeitung als conditio sine qua non und erkennt: „Auch ein Christ weiß keinen Weg am Leid vorbei, wohl aber einen mit Christus gemeinsam beschrittenen Weg hindurch. – Dunkelheit ist ja nicht Abwesenheit Gottes, vielmehr verborgene Gegenwart, in der wir ihn – geduldig nachfolgend – suchen und von neuem finden.“ Dazu verweist sie darauf: „Christen haben eine Tag- und Nacht-Adresse“, also wird der unverfügbare Gott für sie 'verfügbar’, er ist immer erreichbar.
Eindrucksvoll erleben wir die Spuren-Analyse der Autorin, indem sie zeigt, wie der Such-Weg der Krisenverarbeitung weltweit gewagt wird.
Ob bei LAUREL LEE, der amerikanischen Bestsellerautorin, bei JACQUES LUSSEYRAN, einem Begründer der französischen Résistance, bei PEARL S. BUCK, der Nobelpreisträgerin und Missionars-Tochter in China, bei den Eltern SYLVIA und ALBERT GÖRRES aus Deutschland, wie HAN SUYIN aus China, nicht zuletzt bei HAROLD KUSHNER, dem israelischen Rabbiner und HANS JONAS, dem Friedenspreisträger. Alle Autobiographen gehen in ihrer Kultur den gleichen Lernweg der Krisenverarbeitung durch 8 Spiralphasen, er wird für alle zur conditio sine qua non, und alle bekommen übereinstimmend das dabei dankbar empfangene Geschenk des unverfügbaren Dritten, die Nähe Gottes, der die Wandlung des 'Un-Heils’ in 'Heil’ aus Glauben wirkt.
Wir Afrikaner kennen diesen Weg der Trauer, der Krisenverarbeitung, z.B. aus Herero-Riten oder aus Nyakusa-Riten. Menschen in Krisen suchen und finden den Weg in allen Kulturen. Mutig legt ERIKA SCHUCHARDT auch den Finger auf die Wunde unzureichender Seelsorge: „Gott kann nichts für sein 'miserables’ Bodenpersonal - Menschen wie Du und ich“ und offenbart zugleich auch viele positive Erfahrungen mit krisenbegleitenden Seelsorgenden.
Ein Glaubens-Buch, ein Seelsorge-Lehrbuch, ein Theologie-Handbuch anhand von weltweiten Lebensgeschichten eines Jahrhunderts, das ermutigt und zumutet – gerade auch als Ansporn und Anstoß für die ökumenische Bewegung.

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